Bundesverwaltungsgericht, St. Gallen



Muss ein modernes Gebäude, welches das Bundesverwaltungsgericht beherbergt zwangsläufig eine deutliche Architektur der staatlichen Gewalt zeigen? Sind in einer aufgeklärten Gesellschaft ¨Justizpaläste¨ noch angebracht, auch wenn sie in modern-minimalistischer Verkleidung daherkommen?
OAP hat als Beitrag zum öffentlichen Wettbewerb für den Neubau des Bundesverwaltungsgerichts in St. Gallen eine Gebäudetypologie gewählt, welche mit seinen betrieblich-funktionalen Ausformungen einem offenen Organismus ähnelt. Die Organisationsform von administrativen Pools kann räumlich in verschiedenster Weise umgesetzt werden. So wie aus der Basis einer demokratischen Gesellschaft das Individuum wächst, wählten wir eine Form, bei welcher sich aus einem verbindenden Sockel einzelne Aufbauten heraus entwickeln.
Dies hat durchaus auch städtebauliche Gründe. Die dichte aber kleinteilige Bebauung des 19.Jahrhunderts auf der westlichen Seite und der eher vorstädtische Charakter der gestreuten Gebäude entlang des Rosenbergs, profitieren von der Einbindung eines grösseren Gebäudes, ohne dass die Kleinteiligkeit der sie umgebenden Villen konterkariert wird. Ihre Volumen werden im grösseren Gerichtsgebäude aufgenommen, und in der Wohnbebauung konsequent bis zum einzelnen Gebäude weitergeführt. Das Ergebnis ist in seiner städtebaulichen Setzung von grosszügiger Funktionalität.
Der Haupteingang des Gerichtsgebäudes führt in eine offene Eingangshalle, welche eine der äusseren Topographie folgende innere gebaute Landschaft aufzeigt. Die Raumfolge macht die Weite und Transparenz des modernen Staates erlebbar, wie der Blick durch die Bibliothek hindurch die Sicht auf das Gelände dahinter freigibt.
Die Erschliessung der Sockelgeschosse folgt der Topographie und ergibt eine gebaute ¨Landschaft¨ mit gestaffelten, aufsteigenden Raumfolgen. Durch die Staffelung und die Verteilung der Baukörper ergeben sich vielfältige Ausblicksmöglichkeiten und unterschiedliche Hofsituationen. Einige Häuser sind auch durch Terrassen zusammengefasst. Auf einer Ebene der Wohnbauten befindet sich entweder eine Drei- und eine Vierzimmerwohnung oder eine Fünf- und eine Zweizimmerwohnung. Der Anteil der Ebenen lässt sich nachträglich beliebig verändern. Auszug aus Jurybericht:
¨Die Verfasser interpretieren das Wettbewerbsareal als städtebauliche Einheit und schlagen dementsprechend eine Lösung für das Gericht und die Wohnbauten vor, welche volumetrische Ähnlichkeiten aufweist und von weitem als Einheit gelesen werden kann. Das gewählte Modul - ein quadratischer Kubus von jeweils drei bis vier Geschossen - überzieht somit das ganze Wettbewerbsareal und bildet im unteren Teil, zusammengebunden durch einen Sockelbau, das Gerichtsgebäude, im oberen Teil die teilweise allein stehenden, teilweise zu Zweiergruppen zusammengefassten Wohnbauten. Die Anlage weist eine gute Körnigkeit auf und integriert sich deshalb gut ins Quartier; ...¨

Selektion zur 2. Wettbewerbsstufe. 2005
Wettbewerbsteam OAP, Architektur und Projekte, Zürich, mit Martin Häner, dipl. Architekt ETH

Durch die Staffelung und die Verteilung der Baukörper ergeben sich vielfältige Ausblicksmöglichkeiten und unterschiedliche Hofsituationen. Einige Häuser sind auch durch Terassen zusammengefasst.

Die drei Kerne - ein Erschliessungskern und je Wohnung ein Kern mit Sanitäreinrichtungen und Küchen - gehen dabei durch alle Ebenen hindurch. Nur die Küche in der Zweizimmerwohnung dreht sich leicht um den Kern.

Der Eingang führt in eine grosse offene Eingangshalle, die den Blick durch die Bibliothek hindurch auf das Gelände dahinter freigibt.

Die Erschliessung der Sockelgeschosse folgt der Topographie und ergibt eine gebaute ¨Landschaft¨ mit gestaffelten, aufsteigenden Raumfolgen.

Auf einer Ebene der Wohnbauten befindet sich entweder eine Drei- und eine Vierzimmerwohnung oder eine Fünf- und eine Zweizimmerwohnung. Der Anteil der Ebenen lässt sich nachträglich beliebig verändern.